Koalition und Bürgermeister blamieren sich auf Kosten der Steuerzahler
Kurz nach dem Jahreswechsel sehen sich die Freien Demokraten Eschborn in ihren schlimmsten Befürchtungen bestätigt: Das Mammutprojekt „Rathaus / Stadthalle / Bibliothek“ verwandelt sich bereits in der Anfangsphase in ein organisatorisches und finanzielles Desaster. Bürgermeister Adnan Shaikh (CDU) musste Mitte Dezember 2025 einräumen, dass die für Ende 2025 fest zugesagte Entwurfsplanung mit verbindlicher Kostenschätzung auf unbestimmte Zeit verschoben wird – ein Offenbarungseid für ein Projekt dieser Größenordnung.
Der Grund für die Verzögerung ist gravierend und peinlich zugleich: Die Obere Wasserbehörde des Regierungspräsidiums Darmstadt hält die geplante Überbauung des Westerbachs durch den Bibliotheksbau für kaum oder nur mit erheblichen technischen Eingriffen umsetzbar. Mit anderen Worten: Ein elementarer Rahmenparameter wurde schlicht übersehen. Für die FDP ist das ein weiteres Beispiel für die „Planungspolitik nach Bauchgefühl“, die sich im Eschborner Rathaus zunehmend breitmacht.
Wie schon beim groß angekündigten, aber konzeptlos aufgesetzten Projekt „Stadtgarten“ zeigt sich erneut, dass zentrale Grundvoraussetzungen nicht geprüft wurden, bevor Millionen an Steuergeldern verplant wurden. „Wer so arbeitet, gefährdet das Vertrauen der Bürger in verantwortungsvolle Politik“, kritisiert der Partei- und Fraktionsvorsitzende Christoph Ackermann.
Unter der politischen Führung des Bürgermeisters – der gleichzeitig als Baudezernent Verantwortung trägt – ist die Planung vollständig aus dem Ruder gelaufen. Wiederholte handwerkliche Fehler, mangelnde Projektsteuerung und fortgesetztes Schönreden der Realität missachten das Gebot der Sparsamkeit und Wirtschaftlichkeit in eklatanter Weise. Bereits beim Baubeschluss im Oktober 2023 lagen die Schätzungen bei astronomischen 125 Millionen Euro – und selbst diese Summe war offenkundig nicht belastbar.
Die FDP Eschborn hatte schon damals die Reißleine gezogen und dem Beschluss wegen unkalkulierbarer Risiken die Zustimmung verweigert. Die nun nötigen Umplanungen, Verzögerungen und zusätzlichen Prüfungen werden das Projekt dramatisch verteuern. Was jetzt sichtbar wird, ist nur der Anfang eines Kostenstrudels – und zahlen sollen am Ende die Eschborner Bürger.
Dabei hätte es realistische, wirtschaftlich vernünftigere Alternativen gegeben – doch diese wurden von der Rathausspitze ignoriert. Die Stadt hat erst kürzlich ein Gebäude in der Ludwig-Erhard-Straße angemietet. Eine dauerhafte Mietlösung – statt eines sündhaft teuren Neubaus – wäre die solide, verantwortungsbewusste Option gewesen. Als Mieter trägt die Stadt nicht das Risiko eines Bauherrn, bleibt flexibel und verschlingt keine dreistelligen Millionenbeträge. Zudem stehen in Eschborns Gewerbegebieten zahlreiche geeignete Immobilien bereit, die man ohne finanzielle Abenteuer hätte nutzen können.
Gerade vor dem Hintergrund rasanter technologischer Entwicklungen, des zunehmenden Einsatzes von Künstlicher Intelligenz und der absehbaren Veränderungen im Personalbedarf wäre Flexibilität wichtiger denn je. Stattdessen verfolgt die Rathausspitze mit ihrer Koalition aus CDU, Grünen und FWE ein überdimensioniertes Wunschkonzert – teuer, riskant und fern jeder finanziellen Vernunft. Die daraus in der Folge resultierenden Belastungen für alle Steuer- und Beitragszahler werden enorm sein.
Die FDP Eschborn fordert deshalb unmissverständlich: Dieses Projekt muss sofort auf den Prüfstand. Bevor weitere Millionen in eine Fehlplanung fließen, braucht es eine klare politische Entscheidung. „Wir sind für eine starke, moderne Infrastruktur – aber nicht um jeden Preis“, so Ackermann. Eschborn braucht ein Rathaus, eine Stadthalle und eine Bibliothek, die bezahlbar sind und den finanziellen Spielraum der Stadt nicht zerstören. Vorrang muss der Bau einer funktionalen Stadthalle haben. Für alles andere gibt es wirtschaftlich sinnvolle Alternativen, die seit Jahren ignoriert werden.
Eschborn, 6. Januar 2026
